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Februar 2015
In unserem Gemeinschaftsalltag bewegt uns die Weiterentwicklung unseres Entscheidungsmodells. In der Intensivzeit Anfang Januar haben wir gründlich gemeinsam darauf geschaut, nun feilen wir weiter daran, ein Modell zu entwickeln, das möglichst viele Menschen zur wirklichen Partizipation anregt und uns dabei genügend Zeit für die angenehmen Seiten des Gemeinschaftslebens lässt. Wir experimentieren dabei mit soziokratischen Elementen und haben zum Beispiel unseren neuen SiGe-Vorstand und Aufsichtsrat soziokratisch gewählt – davon mehr in dem Artikel von Sonja. Mit dem Februar hat auch die Seminarsaison in Sieben Linden begonnen. Es hat gut angefangen: Das erste Seminarwochenende mit einem Strohballenbau-Fachseminar war gleich voll ausgebucht. Wir freuen uns auf ein volles Seminarjahr und brauchen für die vollsten Monate auch noch Verstärkung für die Küche. Wir starten das neue Seminarjahr mit einigen Neuerungen in der Internet-Präsentation: Eine neue Seminarwebsite seminare.siebenlinden.de ist online – deutlich praktischer und für uns besser zu verwalten als die vorige. Optisch ist sie noch nicht so ansprechend, wie wir sie uns erträumt haben, aber sie funktioniert schon, und das ist erstmal das Wichtigste. Und damit nicht genug – seit Januar ist auch unser Blog https://blog7linden.wordpress.com/ online, der auf persönliche Art von den Aktivitäten in Sieben Linden und den Seminaren erzählt, und auch zu Kommentaren einlädt. Wir wollen ihn von unterschiedlichen Menschen füllen lassen, die aus ihren Erfahrungen in Sieben Linden erzählen. Zudem gibt es auf www.eurotopia.de einen neuen Blog von Michael Würfel zum Thema "Gemeinschaft und der Rest der Welt". Probiert's mal aus, wir freuen uns über Eure Kommentare!
Wir wünschen Euch eine schöne Zeit!
Kompass für Gemeinschaftliche Projektentwicklung Petition Vermögensanlagegesetz Küchen-Helferin für die Sommermonate gesucht Stellenagebot Waldkindergarten Besondere Seminare in den nächsten Wochen
Anna-Schicht-Fonds ermöglicht jungen Menschen vergünstigte Teilnahme an Seminaren
Anna Schicht (*1920, †2008) hat ihre letzten Lebensjahre in Sieben Linden gelebt und hatte stets ein offenes Ohr und eine besondere Liebe zu den jungen Menschen, die in Sieben Linden zu Besuch waren. So hat sie ihre Genossenschaftsanteile an den Freundeskreis Ökodorf vermacht, mit der Auflage, damit jungen Menschen freien Aufenthalt in Sieben Linden zu ermöglichen. Dieses Geld ist nun endlich beim Freundeskreis Ökodorf angekommen und wird nun ab 2015 ihrem Wunsch entsprechend verwendet.Die Förderung aus dem Anna-Schicht-Fonds kommt infrage für Jugendliche und Junge Erwachsene bis zu einem Alter von 25 Jahren, die von ihren finanziellen Verhältnissen her BAFöG-berechtigt wären. Aus dem Anna-Schicht-Fonds werden Unterkunft und Verpflegung für Jugendliche und Junge Erwachsene finanziert, die an Seminaren des Freundeskreis Ökodorf e.V. teilnehmen. Sie zahlen dann lediglich die ermäßigte Honorargebühr. Menschen mit Interesse an einem unserer Seminare und einer Förderung durch den Fonds werden gebeten, ihrer Seminaranmeldung ein kurzes Motivationsschreiben und eine Erklärung beizulegen, dass sie und ihre Familie nur über so geringes Einkommen verfügen, dass sie BAFöG erhalten oder, falls sie eine BAFöG-fähige Ausbildung machen würden, BAFöG könnten. Da Annas Vermächtnis begrenzt ist, und wir dieses Angebot aber gerne dauerhaft machen wollen, starten wir gleichzeitig eine Spendenkampagne für diesen Fonds, mit dem Wunsch, dass dieser Fonds möglichst nie an seine Grenzen stoßen möge.
Spenden auf unser Konto bei der GLS Bank IBAN DE41 4306 0967 0030 767 801 BIC GENODEM1GLS mit dem Vermerk „Spende Jugendliche“ werden für die Unterstützung der Teilnahme junger Menschen an unseren Seminaren verwendet. Die Spenden sind von der Steuer absetzbar.
Mindestens zweimal im Jahr nehmen wir uns als Gemeinschaft Zeit, mehrere Tage lang gemeinsam auf die Themen zu schauen, die uns bewegen. Während die Intensivzeit im Herbst mit externer Supervision eher den persönlichen, emotionalen Themen gewidmet ist, ist die Januar-Zeit eher den strukturellen Fragen gewidmet. So haben wir vom 15.-19.01. gemeinsam auf unser Entscheidungsmodell geschaut, strukturelle Veränderungen vorgenommen und unseren wichtigsten Entscheidungsgremien, den „Räten“, Feedback gegeben und die Zusammensetzung für das nächste Jahr festgelegt. Eckpunkte, wie unser Entscheidungsmodell in Zukunft aussehen soll, wurden gemeinsam beschlossen und ein Prozess angestoßen, in dem die Feinheiten weiter ausgearbeitet werden. Daneben wurden Themen wie Solidaritätsfonds, Naturschutzgruppe, interne Kommunikationsstrukturen und anderes diskutiert und weiterentwickelt.
Im Februar kam Brigitte Langbein als neue Freiwillige im Bundesfreiwilligendienst nach Sieben Linden. Sie wird auf dieser Stelle Konzepte für die Kinder- und Jugendarbeit entwickeln, die wir in den nächsten Jahren weiter ausbauen wollen.
Arturs Polis aus Lettland hat seinen European Voluntary Service beim Global Ecovillage Network beendet und wird ab März ebenfalls einen Bundesfreiwilligendienst beim Freundeskreis Ökodorf e.V. beginnen und bleibt so noch ein halbes Jahr länger bei uns. Er unterstützt uns im Gästebereich und bei der Entwicklung von internationalen Jugendprojekten.
Im April soll's losgehen: Das Baugrundgutachten ist erstellt, die Planung läuft weiter, die Statik ist in Arbeit, die Finanzierung des Hauses inzwischen gesichert, das Grundstück eingemessen und der Bauantrag abgegeben. Der Kranich wird einer Familie und einer WG Wohnraum bieten und ist als Haus für 9 bis 10 Personen konzipiert. Wir knobeln an der Herausforderung, in einer Haushälfte das Erdgeschoss nicht nur, wie in allen Häusern üblich, barrierearm zu gestalten, sondern rollstuhltauglich, mit den nötigen Bewegungsräumen und ohne größere Steigungen im Gelände vor dem Eingang. Konstruktionsfragen sind zu klären und ein Erbpachtvertrag für das Grundstück abzuschließen. Im Sommer sollen Rohbau und Lehmbau abgeschlossen sein, danach geht es an Haustechnik und Innenausbau.
Für die Realisierung dieses Projektes suchen wir noch einen zinsfreien Privatkredit über 75.000 Euro. Kontakt: sige@siebenlinden.de
nadomeye@gmail.com
Neue Möglichkeit: Selbstversorger-Gruppen auf dem Zeltplatz
Sieben Linden Feinkost Manufaktur www.siebenlinden-feinkost.de.
Im Frühling 2013 haben wir begonnen es zu bauen, da hatten wir genügend Spendengeld zusammen um es bis zum Winter mit einem Dach auszustatten. Auch im letzten Sommer gab es Strohballen- und Lehmseminare, so dass die Wände (fast) alle drin sind und ihren ersten bzw. zweiten Lehmanstrich haben. Durch das Loch, was noch nicht mit Stroh gestopft ist, kommt in diesem Jahr das Ofenrohr des selbst gebauten Lehmofens. Auch der wird mit Menschen gebaut, die Interesse haben Theorie und Praxis eines finnischen Masseofens mit Lehm zu lernen (siehe http://seminare.siebenlinden.de/seminar/show/lehmofen-1).
Wer also dieses schöne, runde Projekt unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto des Freundeskreises e.V. tun (und bekommt eine Spendenquittung wenn erwünscht): bei der GLS Bank Verwendungszweck Meditationshaus
Vielen herzlichen Dank für eure Unterstützung!
P.S.: bei Nachfragen wendet euch bitte an gabibott@siebenlinden.de
von Sonja Kühnle
Im Lauf des Jahres 2014 kam die Soziokratie in Sieben Linden an. Für die Bewohner*innen, die sich seit mehreren Jahren in demokratischen Abstimmungen geübt haben, in denen die Zweidrittelmehrheit angewendet wurde, bedeutet das Experimentieren mit dieser Organisations- und Entscheidungsmethode eine spannende Erweiterung des reichen Methodenschatzes, der im nun bald „volljährigen“ Ökodorf bisher entstanden ist. Ein zentraler Begriff der Soziokratie ist der sog. Konsent („Zustimmung“, engl. „consent“). Ihre Zustimmung kann eine an einer Entscheidung beteiligte Person immer dann geben, wenn aus ihrer Sicht zwei grundlegende Kriterien erfüllt sind: Die Idee oder der Vorschlag, über den abgestimmt wird, ist · gut genug für jetzt („good enough for now“) und · sicher genug, es auszuprobieren („safe enough to try“).
Meinen Konsent zu geben (z.B. durch das Zeichen der erhobenen flachen Hand) bedeutet dabei nicht unbedingt, dass ich 100% hinter einer Idee stehe oder keinerlei Einwände sehe. Mit „Konsent“ ist vielmehr gemeint, dass es aus meiner Sicht keine schwerwiegenden und begründeten Einwände dagegen gibt. Sehe ich einen schwerwiegenden Einwand, kann ich statt der flachen Hand die Faust heben und weiß, dass ich daraufhin aufgefordert werde, meinen Einwand zu äußern und zu begründen. Angenommen ist ein Vorschlag nämlich nur dann, wenn niemand einen schwerwiegenden Einwand äußert. Zu Beginn des Übens mit dieser Form schien die Einfachheit des Systems, in dem es grundlegend nur zwei Varianten für die Stimmabgabe gibt („Konsent“ oder „Einwand“), manchmal schwer zu verstehen: „Ich habe aber ein Veto...“ - „Veto gibt es in der Soziokratie nicht!“ Mit der Zeit wurde deutlich, dass auch eine ungeklärte Sachfrage eine legitime Begründung für einen „schwerwiegenden Einwand“ darstellen kann, und allmählich wuchs die Leichtigkeit im Umgang mit der erhobenen Faust. Obgleich die Methode durch die Tatsache, dass jede Stimme gehört wird, zunächst zeitintensiv wirkt, bietet sie zugleich auch die Möglichkeit in kurzer Zeit Stimmungsbilder abzufragen: Jede*r der im Kreis Sitzenden hebt die Hand (oder Faust) zu einer Frage, und sofort ist klar, ob die Entscheidung angenommen ist oder noch Klärungsbedarf besteht. Besonders hilfreich und gemeinschaftsstiftend war es, im November und Dezember bei der Vorbereitung der Vorstands- und Aufsichtsratswahlen der Siedlungsgenossenschaft soziokratisch zu arbeiten. An mehreren Abenden trafen sich Genossenschaftsmitglieder und andere interessierte Bewohner*innen, um gemeinsam Wahlvorschläge zu erarbeiten. Die soziokratische Wahl begann damit, dass jede*r für sich allein fünf „Lieblingskandidat*innen“ auf einem Zettel notierte. Nach dem Einsammeln der Zettel wurden die Namen vorgelesen und am Flipchart notiert, und reihum begründete jede*r der Anwesenden kurz die Entscheidung für Person 1, Person 2, Person 3 und so weiter. Beim Zuhören bestand natürlich die Möglichkeit, die eigenen Präferenzen zu überdenken, und in einer zweiten Runde konnten dann – falls gewünscht – Modifikationen des eigenen „Wahlvorschlags“ mitgeteilt werden, die ebenfalls wieder auf einem Flipchart dargestellt wurden. Im letzten Schritt berieten sich die beiden Moderatorinnen des Abends auf der Basis dieses Vorgehens öffentlich darüber, welche fünf Personen sie zu einem Wahlvorschlag für den Vorstand zusammenstellen wollten. Die soziokratische Abstimmung über dieses Fünferteam wurde etwa drei Mal wiederholt, bis schließlich alle Anwesenden (etwa 20 Personen) Konsent dazu äußerten. Das erfreuliche Ergebnis der Abende bestand neben dem Stolz darüber, gemeinsam einen gut begründeten Wahlvorschlag „produziert“ zu haben, nicht zuletzt darin, dass sich kurz nach 22 Uhr alle Beteiligten ihrer individuellen Abendgestaltung widmen konnten...
Kompass für Gemeinschaftliche ProjektentwicklungMartin Stengel und Eva Stützel, zwei Gründungsmitglieder Sieben Lindens, haben die Winterpause genutzt, um ihre Erfahrungen aus über 20 Jahren Gemeinschaftsleben und über 10 Jahren Begleitung von anderen Gemeinschaftsprojekten zusammenzutragen und zu analysieren. Als “Hand in Hand Gemeinschaftsberatung” begleiten Eva und Martin (und andere) seit vielen Jahren Gemeinschaftsprojekte in herausfordernden Phasen: http://www.gemeinschaftsberatung.de Nun haben sie den “Kompass für Gemeinschaftliche Projektentwicklung und -organisation” zusammengestellt, der aus ganzheitlicher Perspektive aufzeigt, welche Themenfelder wichtig sind, um gemeinschaftliche Projekte zu einem Fest für alle Beteiligten zu machen. Dieser Kompass wird in dem Seminar “Schritte zur Gemeinschaftsgründung” vom 14.-17. Mai 2015 erstmalig ausführlich vorgestellt. Weitere werden folgen, in Sieben Linden und in anderen Seminar-Kontexten zu Gemeinschaftsbildung und Projekteentwicklung.
Weitere Informationen zum Seminar findest Du unter Seminar Gemeinschaftsgründung. Über den Link "Einführung Kompass" findet Ihr eine ausführliche Vorstellung des Kompasses. An dieser Stelle sei vorab nur soviel verraten: Der Kompass identifiziert 5 Themenfelder, die für gemeinschaftliche Projektentwicklung wesentlich sind. Das zentrale Themenfeld ist dabei das “Miteinander”, das mit allen vier anderen Themenfeldern: Der “Vision”, der “Struktur”, der “Ökonomie” und dem „Vernetzen” eng verwoben ist. Zu allen fünf Themenfeldern werden in den Seminaren von Hand in Hand Gemeinschaftsberatung Methoden vorgestellt, wie gemeinschaftliches Handeln gelingen kann.
Vermögensanlagengesetz bedroht Finanzierung von Gemeinschaftsprojekten Nach der Prokon-Pleite arbeitet die Bundesregierung daran, Menschen, die ihr Geld außerhalb von Banken anlegen, besser zu schützen. Ein ehrenwertes Ansinnen, aber der Weg, den sie gerade einschlagen, bedroht viele Projekte, die auf Finanzierungen von Privatmenschen angewiesen sind - wie zum Beispiel auch uns - aber auch viele andere gemeinschaftliche Projekte von Solidarischer Landwirtschaft, Kindergärten, Schulinitiativen, etc. Die Annahme von nachrangigen Darlehen/Direktkrediten aus dem Umfeld der Projekte soll der Finanzmarktprospektpflicht unterworfen werden. Fast alle Gruppierungen, die Geld von Privatmenschen annehmen, müssen nach dem neuen Gesetz dafür einen aufwändigen Prospekt mit vielen Informationen erstellen - dessen Erstellung Zig-Tausende Euros kostet und weitere zigtausende von Euro jedes Jahr kostet. Damit ist eine wichtige Finanzierungsquelle von Gemeinschaftsprojekten -Privatkredite aus dem Projektumfeld- abgeschnitten. Der Gesetzentwurf wurde aufgrund von vielfältigen Einsprüchen bereits verändert. Seitdem sind wir als Genossenschaft davon weniger stark betroffen als andere Initiativen, aber auch uns betrifft es nach wie vor, und wir bitten Euch um Eure Unterstützung im Engagement gegen diesen Gesetzentwurf. Es gibt eine Petition dazu. Wenn innerhalb von 3 Monaten 120.000 Unterschriften zusammen kommen, muss sich der Bundestag mit der Petition beschäftigen. Bitte klicke den Link an, füll die Felder aus und schicke deine Petition ab. Ebenfalls gezählt werden alle Unterschriften, die über Unterschriftslisten eingereicht werden. Dazu findet ihr auf der Petitions-Webseite eine Liste zum Ausdrucken und Auslegen. Bitte sendet die ausgefüllte Liste zurück an: Sascha Klemz, Grethergelände, Adlerstr. 12, 79098 Freiburg. Genauere Infos über die Auswirkungen des Vermögenanlagengesetzes findet Ihr unter: http://www.syndikat.org/de/wirsindnichtprokon/ Danke für Eure Unterstützung!
Bewerbungen bitte an: verein@siebenlinden.de
Zum 1.6.2015 suchen wir für den Waldkindergarten eine/n staatlich anerkannte/n Erzieher/in oder
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