Es wird wieder gebaut – wo hört und sieht man mehr als auf einer Baustelle, ob ein Dorf wächst. Witterungsbedingt und holzlieferungsbedingt etwas später als geplant entsteht jetzt die Holz- und Strohballenkonstruktion fürs Wohnhaus "Libelle". Damit unsere Häuser nicht immer teurer werden als geplant, wurden diesmal viele noch festere Absprachen über die einzelnen Arbeitsschritte getroffen. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass das Siebenlindener Handwerkerkollektiv den Zuschlag für ein festes Angebot bekommen hat und von der Wohnungsgenossenschaft nicht mehr nach Stunden bezahlt wird. Einerseits wichtig fürs ganze Ökodorf, dass Kosten überschaubar bleiben, andererseits muss eine kleinere Gruppe wie das Handwerkerkollektiv jetzt selber damit klarkommen, wenn das Holz anders angeliefert wird als (mündlich) mit dem Lieferanten vereinbart – was viele Arbeitstunden mehr kostet. Zwar ist wieder mal beneidenswert, wie die Zimmerer_innen sich Frühlingsluft und Strohhäcksel um die Nase wehen lassen können, während man selbst am PC hockt, andererseits spüren die Handwerker jetzt jede Abweichung vom Plan noch schmerzhafter.
Neben der großen Libelle-Baustelle, für die wieder Strohballenelemente vorgefertigt werden, wurde der Grundstein für die lang ersehnte einstöckige "kleine Baute" von Karola gelegt. Das sind wieder unsere harten Regeln (nur 16-17qm Bodenversiegelung pro Person, daher mindestens zweistöckig bauen) weich umgesetzt. Immerhin ist es ein Nachbarschaftsbauwerk (obwohl die dazugehörige Frauennachbarschaft noch gar keinen Rufnamen hat), es steht ganz nah am Rand der Bebauungsgrenze und es kann direkt dran angebaut werden (im Beschluss steht: „Ohne gesonderte Einwilligung der Eigentümer_in oder Bewohner_in“). Wir sind gespannt und freuen uns für und mit Karola!
Was uns noch bewegt, ist „Terra Preta“, Schwarze Erde. Nach einem Vortrag von Dr. Haiko Pieplow am 14.4. sind viele von uns ganz heiß darauf, unsere Fäkalienkompostierung zu revolutionieren. Zur Erinnerung: In Siebenlinden werden ausschließlich Komposttoiletten verwendet. Die Fäkalien werden kompostiert, was ganz gut funktioniert, aber in der "Produktionsphase" ganz schön stinken kann. Außerdem sind die Nährstoffe des Kompostes nach ein paar Jahren auch wieder ausgewaschen. Die Umstellung der Kompostierung auf milchsaure Vergärung mit anschließender Wurmkompostierung könnte uns wesentlich haltbareren Humus zur Verfügung stellen. Theoretisch können wir alle bei uns angewandten Systeme so umstellen. Es braucht dazu nur den Willen, etwas Arbeit und – Holzkohle. Die ist unabdingbar für die Produktion von "Terra Preta". EMs sind auch hilfreich. Der Prozess ist faszinierend und wir sind gespannt auf unsere Erfahrungen damit. Mir als Ober-Kack-Kompostierer in Siebenlinden kam unser derzeitiges System während des 2½-stündigen Vortrages jedenfalls ganz schön primitiv vor. Marko Heckel, der nach Dr. Pieplow sprach, ist selbst ein Terra-Preta-Begeisterter und bietet in seinem Shop unter www.triaterra.de alles an, was ich, du, wir zum Starten der Produktion benötigen. Danke nochmal an die beiden Referenten, ich habe selten eine so inspirierende (öffentliche) Abendveranstaltung erlebt!
Es geht also mal wieder was, im Ökodorf :-)
Micha W.
|  Baustelle "Libelle". Oben: Die Produktionshalle für die Strohballenwandelemente    Karola auf dem Grundstück ihrer Baute.  Kleine Orientierungshilfe: Das Häuschen wird auf der Süd-Ost-Ecke des Geländes der "Unendlichen" gebaut - hier der Blick nach Südost auf die "Palmen".  Grundsteinlegung - auch Wolf ist trotz/mit seiner "schweren Krankheit" wieder dabei  Martin übernimmt mit dem Club99 mal wieder die Innovationsführerschaft im Ökodorf und hat schon einen Tag nach dem Vortrag selbst Holzkohle bzw. "Biochar" hergestellt, und zwar...  ...aus Fichtennadeln (rechts), aus Sägespänen...  ...und aus Strohhäcksel (drittes Häufchen von rechts). Als mineralischen Zusatz für die Terra-Preta-Streu hat er hier Lehmmehl im Plastikbecher, dazu käme noch Asche und EMs. Das würde dann z.B. mit einem Eimer Fäkalien unter Luftabschluss milchsauer vergärt (den wir aus hygienischen Gründen nicht auf unsere Website stellen können). |