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Zitat aus „Konzeption einer ökologischen Siedlung“, 1992, S. 9
„ (...) Dennoch bildet die Landwirtschaft als „primärer Wirtschaftssektor“ weiterhin die Lebensgrundlage der gesamten Bevölkerung - eine Lebensgrundlage allerdings, für die die Gesamtgesellschaft den LandwirtInnen keinen angemessenen Preis zahlt. Und eine Lebensgrundlage, die durch die hohe Abhängigkeit von Energierohstoffen und -importen (v.a. Öl, Futtermittel) und die ökologischen Folgen industrieller Landwirtschaft stark gefährdet ist. (...)“
Essen
Ernährungsweise:
Alle Lebensmittel (bis auf wenige, ökologisch nicht verfügbare Ausnahmen), die über den Naturwaren e.V. Sieben Linden eingekauft und den Menschen im Dorf zur Verfügung gestellt werden, stammen aus kontrolliert ökologischem Anbau.
Wir haben vor vielen Jahren die Entscheidung getroffen, dass in sämtlichen gemeinschaftlich genutzten Bereichen zumindest vegetarisch (meist vegan) gekocht und gegessen wird, dies entspricht unserer Suche nach einem „gemeinsamen Nenner“.
In der Gemeinschaftsküche im Regiohaus werden morgens und abends vegane und vegetarische Gerichte bereitgestellt- mittags wird vorwiegend vegan gekocht. Hier essen die Gäste und alle BewohnerInnen, die noch keine eigene Küche haben oder sich aus anderen Gründen dafür entscheiden. In den privaten Küchen kann jede_r zubereiten, kochen, essen, lagern etc., was er oder sie will. Im Club99 z.B. wird regelmäßig Rohkost zubereitet.
Lebensmittelversorgung:
Alle Bewohner_innen sind Mitglied in der „Food-Coop“ Naturwaren Sieben Linden e.V. und werden über einen festen und für alle gleichen Tagessatz und Mitgliedsbeitrag mit Lebensmitteln versorgt. Diejenigen Lebensmittel, die wir nicht selbst anbauen oder herstellen, werden von Gärtnereien, Bäckereien und Händler_innen aus der Region bzw. vom Naturkost-Großhandel bezogen.
Beim Naturwaren e.V. sind alle Bewohner_innen, Probezeitler_innen und Dauergäste automatisch Mitglied. Initiiert wurde die Food-Coop vor 13 Jahren im Ökodorf Projektzentrum Groß Chüden und es ging nie darum, wer wieviel verbraucht, sondern dass alle gleich viel zahlen und dadurch Unterschiede im Verbrauch ausgeglichen werden. Klar war immer, dass „Luxusgüter“ wie Saft, Alkohol, Schokolade, Chips,... nicht im Tagessatz enthalten sind. Einer der vielen Vorteile dieser Regelung ist der solidarische Aspekt, dass das Essen der Kinder von allen Erwachsenen gleichermaßen mitgetragen wird. Sie hat auch Nachteile: beispielsweise verliert mensch den direkten Bezug zum monetären Wert der Lebensmittel.
Die Produktpalette umfasst momentan ca. 80 verschiedene (vegetarische bzw. vegane) Nahrungsmittel von Brot und Getreide, Hülsenfrüchten, Gemüse und saisonalem Obst über Brotaufstriche und Marmeladen bis hin zu Gewürzen und Backzutaten und außerdem Shampoo, Klopapier und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Alles weitere kann im täglich geöffneten Naturwarenladen zugekauft werden.
Es gibt neben dem Naturwaren e.V. den „Rat Lebensmittel“, der über die übergeordneten Belange des Anbaus, Einkaufs und der Lagerung von Nahrung nachdenkt und entscheidet.
Lebensmittelverarbeitung:
Der Eigenbedarf an herzhaften Brotaufstrichen, Marmeladen und Konserven wird seit vielen Jahren aus eigener Herstellung gedeckt; kleine Ansätze von Vermarktung über den Naturwarenladen gibt es auch. In der Einmachküche in Strohpolis gibt es die Raum, abseits des normalen Küchengeschehens Nahrungsmittel zu „veredeln“, die an die Haushaltskasse oder nach außerhalb vermarktet werden können.
In so genannten „Einmachwochen“ wird die Fülle des Obstes aus Garten und Region zu Marmeladen verarbeitet. Für Frühstück und Abendbrot werden vegane Aufstriche, Kräuter-Pestos, Kräutermargarinen u.a. hergestellt und für das monatlich stattfindende Sonntagscafé und andere festliche Anlässe backen wir die Kuchen und Torten selbst.
Außerdem stellen wir Tees, Pralinen, Kräuteröle und viele weitere leckere Dinge selbst her.
Gartenbau - Landwirtschaft
Anbauflächen:wird noch aktualisiert!!!!!
Es gibt Quellen die besagen, dass für eine Selbstversorgung mit pflanzlichen Lebensmitteln Anbauflächen zwischen 400 m² und 1.000 m² pro Person nötig sind; für 300 BewohnerInnen bedeutet dies eine Fläche zwischen 12 ha und 30 ha.
Für eine großflächigere Landwirtschaft fehlt uns im Moment noch das Land. Nach und nach möchten wir weitere Flächen in unmittelbarer Umgebung erwerben oder eintauschen, damit wir die Selbstversorgung weiter ausbauen können. Im Moment haben wir knapp 13 ha Acker-, Weide- und Gartenland. Davon sind 5 ha noch bis zum Jahr 2012 verpachtet an die Landwirtschafts Produkte e.G. Bandau, die die umliegenden Flächen des Ökodorfes bewirtschaftet.
Garten:
Die Gärtner_innen des Ökodorfes bearbeiten inzwischen annähernd die gesamte zur Verfügung stehende Anbaufläche und versorgen die Gemeinschaft mit Gemüse und Obst; ein Teil des Landes wird für den Anbau von Pferdefutter, ein anderer für Baumschulpflanzen genutzt. Es besteht die Bereitschaft der Gemeinschaft, für die Produkte wesentlich höhere Preise, als marktüblich zu zahlen. Es gibt mehrere Gartenteams, den „Sige-Garten“, der von der Genossenschaft bewirtschaftet wird und Uga Wolf, der auch die Obstbaumschulebetreibt. Weitere Menschen aus der Gemeinschaft beteiligen sich auf kleineren Parzellen an der Ausweitung der Selbstversorgung in Sieben Linden.
Gartenbau und Landwirtschaft werden im Ökodorf in erster Linie eine Rolle für die Eigenversorgung spielen; nur ausgewählte, sowie veredelte Produkte oder der Überschuss der Selbstversorgung werden über den Verein „Naturwaren Sieben Linden e.V.“ nach außen verkauft.
Der Anbau an sich erfolgt nach verschiedensten Richtungen: biologisch-dynamisch nach Rudolf Steiner und mit dem Traktor, organisch-biologisch und mit Pferden und bio-vegan (also rein pflanzlich) und von Hand.
Kräuter und Obst:
Von zwei jungen Menschen im freiwilligen ökologischen Jahr wurde im Rahmen eines Projektes ein Kräutergarten in der Nähe der Gemeinschaftsküche angelegt, der uns mit einer breiten Palette von frischen Küchen-, Tee- und Heilkräutern versorgt. Außerdem gibt es eine Kräuterspirale vor dem Regiohaus und zahlreiche Kräuterbeete im Garten, die unseren Bedarf weiter vervollständigen. Auch mit Wildkräutern versorgen wir uns immer wieder, von unseren eigenen Wiesen und anderen Biotopen (Siehe auch den Wildkräuterversand Wilde 7). Im Jahr 2007 wurde eine kleine Streuobstwiese mit verschiedensten Obst- und Nussbäumen auf dem Ökodorfgelände gepflanzt. Außerdem können schon erste Früchte aus dem 2002 angelegten Wildobstgarten geerntet werden.
Innerhalb des Ökodorfes gibt es bisher wenige große Obstbäume, die unseren Bedarf bei weitem nicht decken. Glücklicherweise sind im nahen Umkreis von nur wenigen Kilometern noch viele alte Obstbaumalleen erhalten, so dass wir hier einen Großteil frischer Früchte (Kirschen, Mirabellen / Kirschpflaumen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Holunder, Schlehen,...) sammeln können, die wir dann direkt essen, einkochen oder zu Marmeladen, Kuchen und anderen leckeren Dingen verarbeiten.
Büsche mit Obst, von Rhabarber über Erd-, Johannis- und Himbeeren bis hin zu Brombeeren haben wir in Sieben Linden immer mehr und nutzen sie vollständig.
Zudem gibt es inzwischen seit mehreren Jahren Ugas Obstbaumschule in Sieben Linden, die sowohl uns und Menschen aus der Altmark mit regional gezogenen und selbst vermehrten alten Obstsorten versorgt.
(Stand-11/09)
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